• Das romantische Alpenschloss Linderhof
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  • Alpenschloss Linderhof
    Alpenschloss Linderhof
Auf der Landstraße sind es von Ettal bis zum Linderhof 12 km. - Auf Wanderwegen je nach Route 13 bis 15 km. Leichter ist die nördliche Talroute über Ettaler Mühle - Kl. Ammerquellen - Graswang - entlang des Kohlbach. Gut ausgeschildert, in drei Stunden gut zu bewältigen. - Die südliche Talroute führt zurück durch den Schattenwald - Forsthaus Dickelschwaig mit der Gertrud-Kapelle - Große Ammerquellen - Ettaler Mühle. >> Siehe Beitrag „Wandern im Ettal“ Übrigens verkehrt ab Ettal ein Bus. Mit der Linie 9622, Oberammergau - Linderhof, können Siehin-und-zurück gelangen. Erfragen Sie den Fahrplan im Hotel! Die KönigsCard oder die elektronischen Gästekarte der Ammergauer Alpen Region berechtigt zur kostenlosen Nutzung der Regionalbusse. Falls Sie sich zu Fuß auf den Weg machen, um nach einer Wanderung das Schloss zu entdecken, bietet es sich u. U. an zurück den Buss zu nehmen..
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Das romantische Alpenschloss Linderhof

Die „Königliche Villla“ Schloss Linderhof lehnt sich in ihrer Bauidee an französische Lustschlösser des 18. Jahrhunderts an, etwa nach dem Vorbild von Trianon im Park von Versailles. Doch anfänglich fand der jugendliche König Ludwig II hier auf 950 m am Abhang des Ammergebirges unterhalb des 1770 m hohen Hennenkopf nur ein einfaches hölzernes Jagdhäuschen, die ‘Königshütte’ vor. Diese hatte sein Vater, der bayerische König Maximilian II, gelegentlich gemeinsam mit dem Kronprinzen genutzt. In verschiedenen Bau- und Umbauphasen zwischen 1868 — 1886 entwickelten Ludwigs Architekten seinem allerdings schwankenden Willen folgend in diesem abgelegenen Gebirgstal das heutige Ensemble von Schloss- und Park. Es huldigt den fantastischen historischen Ideen des Königs und manifestiert dabei seine eigentümliche „Gegen- und Traumwelt“, in der er abgeschieden von der Außenwelt zu leben suchte. Sowohl die prunkvollen Innenräume in einem überladenen schwülstigen Neorokoko-Stil luxuriös gestaltet, wie auch die Außenanlagen des eindrucksvollen Parks bezeugen das morbide Schwelgen des Königs in romantischen Traumsphären, die von seiner selbstgewählten Isolation, der ideellen Beziehung zum Oeuvre Richard Wagners und seiner Beeinflussung durch das absolutistischen Gottesgnadentum der französischen Bourbonen künden. Ludwig selbst nannte seine Schlösser und Bauten „… poetische Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann“. Doch es handelte sich um illusionäre Kulissen für Mythen und monarchische Inszenierungen, die unangemessen und völlig unvereinbar mit der sozialen Realität des 19. Jahrhunderts waren. Dies führte beinahe zwangsläufig zum tragischen Ende des Königs am 13. Juni 1886 nach seiner vorhergehenden Entmündigung im Interesse der Staatsraison.

Andererseits begründet sein Drama in Hinblick auf die individuelle Märchenwelt, die er rings um sich her schuf, eine gewaltige Faszination, die bis heute von seinen architektonischen Schöpfungen, insbesondere den Schlössern Linderhof, Neuschwanstein, Hohenschwangau und Herrenchiemsee, ausgeht. Millionenfach werden sie jährlich besichtigt. Gerade Schloss Linderhof, das als einziges zu Ludwigs Lebzeiten vollendet wurde, spiegelt in vielen Details höchste künstlerische Perfektion. Es bringt im Wesentlichen die besten Qualitäten einiger historisierender Kunstrichtungen des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck ohne allzusehr in Kitsch und Imitation abzusacken.

Verwirrend erscheint im Nachhinein, dass der einfache hölzerne Bau der Jagdhütte durch Anbauten erweitert zuerst noch in den steinernen Neubau eingefügt wurde. Schließlich wurde er 1873 umgesetzt an eine Stelle 200 m westlich es heutigen Schlosses. So enstand erst seit der 5. Bauphase ab 1874/1875 das heutige Schloss mit seiner theatralisch anmutenden Südfassade: Statuen besetzen fünf Nischen im ersten Stock, Karyatiden tragen die Säulen, die den Mitteltrakt in drei Achsen gliedern. Helden- und Götterskulpturen bekrönen den Giebel, auf dessen Mitte der mythologische Atlas die Weltkugel stemmt.

Das Bauwerk ist auf allen Seiten integriert in eine Gartenarchitektur auf diversen Terrassen, die strengen Renaissance- und Barockvorbildern gemäß angelegt wurden. Im Anschluss an ein Bassin mit Fontäne vor dem südlichen Haupteingang steigt man zu einem kleinen ‘Venustempel’ an: Ein offener griechischer Rundtempel. Sechs kannelierte Säulen mit korinthischen Kapitellen tragen auf diesem Hügel, der rückwärtig zum Linderbach abfällt, eine golden dekorierte Kuppel. Darunter steht die überlebensgroße Marmorfigur einer Venus, flankiert von zwei Liebesengelchen. Am gegenüber liegenden Hügel hinter dem Schloss in Verlängerung dieser Achse in Richtung Norden befinden sich hinter einem eher unscheinbaren Neptunbrunnen Kaskaden, die in gerader Linie den Hang hinaufführen zu einem kleinen Musikpavillon.

Verstreut im weitläufigen Schlosspark, der ohne Begrenzung in den Hangwald des Gebirges übergeht, liegen zudem weitere kleine Gebäude. Als ältestes die barocke St. Anna-Kapelle von 1684, die damals zu einem Eigenhof des Klosters Ettal gehörte. Die anderen Bauten wurden als Refugien für die anspruchsvollen Zerstreuungen und höfisch inszenierten Festgelage des Königs konzipiert. Dazu gehören das „Königshäuschen“, die ursprüngliche königliche Jagdhütte Max II. und ein rot-weißes, im Mamelucken-Stil errichtetes ‘Marokkanisches Haus’ mit Mini-Minarett. Außerdem ein ‘Maurischer Kiosk’, eine ‘Venusgrotte’, die auf Wagners ‘Tannhäuser’ anspielt, sowie auf den ‘Parsival’ Wagners Bezug nehmend die ‘Einsiedelei Gurnemanz’. Über die Klause des Gurnemanz aus dem 3. ­Aufzug der Oper „Parsifal“ sagte er „… dort auf geweihter Stätte höre ich ahnungsvoll schon die Silber­posaunen aus der Gralsburg erschallen …“. Ludwig II. Identifikation mit Parzifal war die letzte und intensivste vor seinem Tod. Sie hat ihn am weitesten von der Realität entfernt.

Einer besonders ausgefallenen Idee entstammt die ‘Hundinghütte’, benannt nach Wagners Oper ‘Walküre’. Sie wurde um einen Baumstamm herum gebaut und stand bis 1884 nahe einer der Ammerquellen südwestlich im Hochgebirge. Beim Marokkanischen Haus handelt es sich um einen Pavillon, der 1878 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt und von Ludwig II erworben wurde. Auch der maurische Kiosk stammt von einer Pariser Weltausstellung, allerdings der von 1867. Er wurde 1876 vom König angekauft. Umgestaltet nach seinen Wünschen gehört er seither zum Ensemble des Schlossparks. Die Venusgrotte auf dem Hörselberg wird im 1. Akt der Oper Tannhäuser besungen. Ludwig II. Ließ die hier konstruierte Installation seines Venustraums elektrisch beleuchten, wozu er nahebei ein kleines Elektrizitätswerk einrichtete, eines der ersten in Bayern.

Die Innenräume des Linderhofs weisen für die spektakulär ausgestatteten Wohn- und Empfangsräume des Königs im 1. Stockwerk einen symmetrischen Grundriss auf. Man gelangt im doppelläufigen Treppenhaus zuerst ins Vestibül das je zu einem westlichen und östlichen ‘Gobelinzimmer’ führt, in deren Mitte mit Südfenstern der ‘Spiegelsaal ‘ liegt. Auf der Westseite schließt sich rückwärtig ein ovales ‘Audienzzimmer’ an, auf der Ostseite ein raffiniert ausgestattetes ovales Speisezimmer. Als größter Raum des Schloss befindet sich auf der Nordseite das königliche Schlafgemach. Sämtliche Räume strotzen von Golddekor, sind mit ungeheuren Aufwand ausgestattet. Mit u. a. (Decken-)Gemälden, über und über vergoldeten Wanddekor, kunstvoll bestickten Bordüren, Vorhängen, Seidentapeten, Kristallspiegeln, Kristalllüstern, goldenen Kandelabern, Marmorbüsten, Standuhren, Orientteppichen, Gobelins, exquisiten Möbeln usw.. Es gibt keine Stellen an Wänden und Decken, die nicht dekoriert sind. So unterließ der prachtliebende König nichts, um sich auch hier in Tausend Meter Höhe am Rande des Hochgebirges mit ungewöhnlichem Prunk zu umgeben. Diese Imitation der Ausstattung barocker Schlösser, insbesondere von Versailles, übertrifft das Original derart, dass die verschwenderische Zurschaustellung königlichen Reichtums ziemlich anmaßend und protzig wirkt. Was jedoch nicht von einer Besichtigung abhalten soll, sie bietet dennoch einen überzeugenden Kunstgenuss. Daneben bringt einen das geruhsame Wandern im idyllischen Park, der in einen ‘Englischen Garten’ und zuletzt in den Wald übergeht, einem romantischen Naturverständnis näher. Der König versuchte hier seine Träume in die Landschaft einzuweben.